// Sebastian Henghuber, Vorstand der MW Biomasse AG

Gerade in der aktuellen Situation zeigt sich: Regional erzeugte Energie vermindert Abhän­gig­­keiten und muss nicht über tausende Kilometer transportiert werden. Das kommt nicht nur denen zugute, die sie nutzen, sondern auch denen, die sie produzieren. In der Gemeinde Weyarn ist man mit dem Bau des Hackschnitzelheizwerks diesen Weg schon 2014 gegangen.


 

Mit dem Umbau und der Sanierung des historischen Klosterangers und des Klosters der Gemeinde Weyarn in den Jahren 2013 bis 2014 entstand mit fünf Mehr­ge­nera­tionen­häusern nicht nur eine neue Mitte für Weyarn, sondern es galt, ganz besondere Anforderungen zu berücksichtigen. Im Klosteranger treffen zwei unterschiedliche Gebäu­de­typen in unmittelbarer Nähe aufein­ander – die denkmalgeschützten Altbauten mit bestehenden Heizungs­systemen und hohem Wärmebedarf auf der einen, die Neu­bauten mit ge­ringerem Wärme­bedarf auf der anderen Seite. Aus dieser Konstellation ergab sich die Notwendigkeit für eine innovative Energieversorgung des gesamten Ensembles. Am Ende sollte eine Infrastruktur aufgebaut werden, die eine regionale, CO2-neutrale Wärmeversorgung möglich macht.


Dies war auch im Sinn der Gemeinde, die sich das Ziel gesetzt hat, bis zum Jahr 2025 ihren Energiebedarf zu 100 % aus erneuerbaren Energien zu decken.


„Und so kam es, dass wir in Weyarn ein Hackschnitzelheizwerk gebaut haben. Wir, das heißt die MW Biomasse AG, sind ja 2006 aus dem Zusammen­schluss der regionalen Forst- und Land­wirtschaft ­entstanden, um mithilfe von Wärme aus nachhaltig erzeugtem Holz die ­regionale Energie­wende voran­zu­treiben“, sagt Sebastian Heng­huber, Vorstand der MW Biomasse AG, die das Hack­schnit­zel­heiz­werk betreibt.

„Im Grunde ist das Hack­schnit­zel­heiz­werk das Resultat einer Bürger­be­teiligung. Das Ziel: Aufbau eines nach­haltigen Nah­wärme­netzes für den Klosteranger mithilfe von Waldrest­holz. Dabei sollte die gesamte Wert­schöpfungskette vom Baum im Wald bis hin zur warmen Badewanne in einer Hand liegen.

Der Arbeitskreis Energie hatte dem Gemeinderat schon länger vorge­schlagen, eine solche Anlage zu bauen. Das Projekt auf dem Kloster­anger gab letztlich den Aus­schlag für den Bau. Und nach einer Bauzeit von nur fünf Monaten war es dann soweit!“


Regional statt irgendwo


„Für den wirtschaftlichen Betrieb eines solchen Werkes muss die benötigte Wärme in einem guten Verhältnis zur Leitungslänge stehen“, so Sebastian Henghuber. „Konkret heißt das: Ein Hackschnitzelheizwerk sollte möglichst in der Nähe sein. Auch ­deshalb, weil Hackschnitzel ein ­regionales Gut sind. Unsere Hackschnitzel stammen aus den nachhaltig bewirtschafteten Wäldern der Gemeinde Weyarn und den an­grenzenden Gemeinden.

Allein im Gemeindegebiet wächst soviel Holz nach, dass aus dem Waldrestholz ­davon die Anlage viermal versorgt werden könnte. In der Regel haben wir einen Lieferradius um das Heizwerk von ca. zehn bis 15 Kilometer. All das führt dazu, dass vor allem die Region und die Holzwirte vor Ort profitieren. Wir stärken den ländlichen Raum und haben verlässliche Preisentwicklungen bei der Wärmelieferung.“


Besser als nur CO2-neutral


Hackschnitzel sind immer ein Neben­pro­dukt aus der Wald­be­wirt­schaftung. Dem Wald wird nur so viel Holz ent­nommen, wie auch wieder nach­wächst. Die Stämme werden in Sägewerken zu Brettern und Balken verarbeitet, das Restholz zu Holzpellets und Hack­schnit­zeln. Bei der ener­ge­tischen Nutzung des Wald­rest­holzes gibt das Holz wieder genau so viel CO2 ab, wie es während des Wachs­tums aus der Atmosphäre entnommen hat.

„Eigentlich ist eine nachhaltige Ener­gie­­versorgung mit Holz sogar besser als nur CO2-neutral“, so Sebastian Henghuber. „Ein nachhaltig bewirt­schaf­teter Wald sorgt langfristig tatsächlich für eine CO2-Vermin­derung!“

Neben der guten Umweltbilanz und den offensichtlichen Vorteilen für die regionale Wertschöpfung gibt es aber noch einige andere wichtige Punkte, die für das Hackschnitzelheizwerk in Weyarn sprechen.

„Erstens liegt das Werk nicht in den Händen irgendwelcher anonymer Betreiber. Sondern es gehört Menschen von hier", sagt Sebastian Heng­huber. „Um das Heizwerk kümmert sich ein Weyarner Landwirt. Bei der MW Biomasse AG sind zwei ­gelernte Heizungsbauer angestellt, die alle Anlagen warten und die Land- und Forstwirte vor Ort anlernen und unterstützen.

Zweitens bedeutet das: Wir sind nah dran an den Leuten, wenn mal was ist. Es gab zwar noch keinen Tag, an dem die Wärmeversorgung ausgefallen ist. Aber es gab natürlich schon Tage, an denen die Hackschnitzel-heizung gewartet wurde oder auch ein Defekt repariert werden musste. Da ist es gut, wenn die Menschen, die das wieder reparieren, nicht erst von sonst woher kommen müssen.

Drittens reduzieren wir Abhängig­keiten. Aus meiner Sicht haben wir in vielen Bereichen wis­sent­lich die Augen vor den Risiken verschlossen, weil das Gas gerade so günstig war.“


Das kann nur Holz


„Das Ergebnis spricht für sich“, sagt Sebastian Henghuber nicht ohne Stolz. „Die angeschlossenen Haushalte auf dem Klosteranger, der ebenfalls an­ge­schlossene Kindergarten, das Rathaus und einige Gebäude mehr sparen mehr als 300.000 Liter Heizöl pro Jahr!“